Teilnehmerberichte vom 12. Petersburger Dialog 2012

Nadja Hagen (Journalistin, Medienpädagogin), Bernhard Begemann (Studierender der Interdisziplinären Russlandstudien, Universität Potsdam):

"Der Petersburger Dialog wurde vor zwölf Jahren als zivilgesellschaftliches Diskussionsforum von den damaligen Staatschefs Schröder und Putin ins Leben gerufen.In diesem Jahr wurden erstmals speziell junge TeilnehmerInnen aus beiden Ländern eingeladen. Die jeweils zehn jungen Delegierten aus Deutschland und Russland sollten dem Einwand entgegenwirken, dass der Petersburger Dialog veraltet sei und seinen ursprünglichen Aufgaben nicht mehr gerecht werden könne. Bereits bei der Eröffnung betonten die Vorsitzenden der Lenkungsausschüsse, Lothar de Maizière und Viktor Subkow, dass der „frische Wind“ helfen soll, aktuelle Entwicklungen einzubeziehen und neue Perspektiven zu öffnen.
In acht Arbeitsgruppen diskutierten rund 200 TeilnehmerInnen zu Themen wie „Kirchen in Europa“, „Bildung und Wissenschaft“ oder „Kultur“.
In der Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft“ gab es trotz heikler Themenlage eine sehr offene und aufgeschlossene Stimmung, so dass lebhafte und konstruktive Diskussionen entstehen konnten. Gerade Themen wie der Jugendaustausch zwischen Deutschland und Russland und wie man die Jugendarbeit fördern und erleichtern kann, bekamen durch die Teilnahme der jungen Delegierten eine verstärkte Bedeutung im Dialog. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe griffen die Themen gerne auf und setzen sie auch für zukünftige Treffen mit auf ihre Agenda.
In der Arbeitsgruppe „Medien“ wurden sehr verschiedene Themen erörtert. Nach der Darstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems in Deutschland, erläuterte ein russischer Vertreter den für 2013 geplanten Start des Gesellschaftsrundfunks in Russland. Dieser soll nichtkommerziell sein und damit wirtschaftlich und politisch unabhängig arbeiten. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Ethik im Journalismus, wobei besonders bei der Trennung zwischen klassischen und Online-Medien die jungen TeilnehmerInnen auf die unterschiedlichen Sichtweisen der Generationen aufmerksam gemacht haben. Beide Länder sehen Verbesserungsbedarf in Hinsicht auf den ethischen Aspekt der journalistischen Arbeit.
Insgesamt ist die Beteiligung junger Delegierter von enormer Wichtigkeit. So kann nicht nur das Gespräch zwischen beiden Ländern weitergeführt und erneuert werden, sondern auch ein Dialog zwischen den Generationen entstehen. Die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen liegt zweifelsohne in der Hand der jungen Generation, die ohne einen eisernen Vorhang groß wurde, für die Reisen und Auslandserfahrung eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Vertreter dieser Gruppe zum Petersburger Dialog einzuladen ist also ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, eine starke zukunftsorientierte Zusammenarbeit. Dafür gilt es den Initiatoren aufrichtig zu danken und sie darin zu bestärken für eine Vertiefung und Weiterführung dieses Wegs einzutreten.

Die Autoren haben als junge Delegierte erstmals am Petersburger Dialog in den beschrieben Arbeitsgruppen teilgenommen."

Weitere Links zum Thema:

Blog von Nadja Hagen mit Eindrücken vom 12. Petersburger Dialog 2012

Interview in den Potsdamer Neueste Nachrichten mit Bernhard Begemann zum 12. Petersburger Dialog 2012

"Quo vadis, Petersburger Dialog?" - Artikel von Bernhard Begemann

Jana Wandrowski (Studentin der Humanmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Doktorandin im Bereich Ethik in der Medizin):

"Der 12. Petersburger Dialog stellte für mich ein unvergleichliches Erlebnis dar. Es ist ein Dialog der verschiedensten zivilgesellschaftlichen Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Ein kreatives Sammelsurium von spannenden Persönlichkeiten, Ideen, Projekten und Ansichten, die sich einem Dialog zur Vertiefung der deutsch-russischen Beziehungen verschrieben haben. Es war in vielerlei Hinsicht eine sehr lehrreiche und erfrischende Erfahrung, nicht zuletzt auch wegen des Einblicks in die große Politik. Es wurde besprochen, abgewogen und auch hitzig debattiert. Einzelne Diskussionen, ich erinnere mich an das Rundtischgespräch „Die Kunst einander zuzuhören – Diskussion brennender Fragen“, hafteten an den unterschiedlichen (deutsch-russischen) Mentalitäten und drifteten zuweilen auch mal von der Sachebene in die Beziehungsebene. Ein Lehrbeispiel für Interkulturelles Management par excellence. In den einzelnen Arbeitsgruppen wurden bestehende Projekte vorgestellt, der Stand evaluiert und neue Kooperationen ausgearbeitet. Die drei Stunden erschienen mir sehr kurzweilig, sodass ich mich für eine Verlängerung der Arbeitszeiten stark machen möchte, da die Arbeitsgruppen zentrales Element des Dialoges sind. Es hat mir große Freude bereitet, Teammitglied der AG „Bildung und Wissenschaft“ zu sein und Erfahrungen im Zusammenspiel der Generationen sammeln zu dürfen. Ich fühlte mich auch in meiner Jugendlichkeit ernst genommen und konnte meine Perspektive aktiv mit einbringen. Ich freue mich bereits jetzt, auf die Fortführung der Projekte im Rahmen weiterer Treffen über das Jahr. Ich danke Ihnen für die Erweiterung des Dialoges um die jüngere Generation und die Möglichkeit, Teil dieses spannenden Dialoges zwischen Russland und Deutschland sein zu dürfen!"
 

Weitere Links zum Thema:

Beitrag von Jana Wandrowski über ihre Teilnahme am 12. Petersburger Dialog 2012 in Russland Heute


Adrian Bölle:

"Da das Russische und die Begeisterung für dieses faszinierende Land leider erst später als bei den meisten anderen in mein Leben getreten ist, hatte ich bisher nicht das Vergnügen, an einem Jugendparlament teilzunehmen. Deren Arbeit scheint mir jedoch äußerst interessant und wichtig. Da ich gut mit Theresa Lauterbach befreundet bin, und auch Gabriel Deutscher gut kenne (er war mein unmittelbarer Vorgänger im Generalkonsulat Nowosibirsk), haben wir an dem Abschlussevent besprochen, dass es auch für die Zukunft wichtig sein wird, zwischen Jugendparlament und jungen PD-Delegierten eine enge Schnittstelle zu schaffen, die beide Gruppen füreinander öffnet und transparent macht. Ggf. könnte man dies mit einer allgemeinen Teilnahme beider Gruppen an einem gemeinsamen Abschlussevent realisieren, innerhalb dessen die jeweiligen Erfahrungen und Ergebnisse ausgetauscht werden können. 

M.E. war das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den jüngeren Delegierten sehr gut. Über die Facebook- und Emailgruppe, die ich vor dem Dialog initiiert hatte, bestand eine gute Möglichkeit, sich untereinander bekannt zu machen und die jeweiligen Biographien mit Faszination zu lesen. Wir haben dieses Medium auch genutzt, um Informationen und Artikel auszutauschen. Leider war es mir nicht möglich, auch die russischen Teilnehmer von Anfang an einzubinden, da mir hierzu keinerlei Informationen vorlagen. Wir haben aber nun untereinander alle Daten ausgetauscht und so zwei wirkungsvolle Plattformen geschaffen, auf denen die deutschen und russischen Jugendalumni die Gelegenheit haben, sich auch in Zukunft auszutauschen. 

Hinsichtlich der Gesamtgestaltung des Dialoges möchte ich zunächst meine Bewunderung zum Ausdruck bringen. Die Art und Weise, Professionalität und Freundlichkeit, mit der diese Begegnung gestaltet wurde, war beeindruckend. Die Einbindung der Jugenddelegierten in den Gesamtdialog war m.E. für das erste Mal hervorragend. Meine persönliche Arbeitsgruppe „Kirchen“ hat meine inhaltlichen Erwartungen an die Veranstaltung mehr als übertroffen. Ich hatte bereits im Vorfeld Kontakt mit Herr Dr. Oeldemann aufgenommen, um mich über die Arbeitsweise und Struktur der Gruppe zu informieren, was sehr hilfreich war, da ja für die inhaltliche Arbeit nur begrenzt Zeit zur Verfügung stand. M.E. wäre es in Zukunft sinnvoll, die Zeiten für die Arbeitsgruppen noch auszudehnen. Es war allerdings auch hochspannend, an den Rundtischgesprächen teilzunehmen. Unsere Arbeitsgruppe hat diese Gelegenheit genutzt, bewusst verschiedene Rundtische zu besuchen, unsere Wahrnehmungen am Morgen danach vor der Plenarsitzung noch einmal auszutauschen und zu sehen, wie diese Eindrücke die inhaltliche Arbeit der Gruppen befruchten können. Dies war vor allem vor dem Hintergrund sehr spannend, da wir durch die Konfrontation mit Wutbürgern und den aktuellen problematischeren Tendenzen auch innerhalb der Arbeitsgruppe noch einmal ein neues und intensiveres Diskussionsniveau erreicht haben. Meine Einbindung in die AG habe ich als sehr angenehm wahrgenommen, wie auch insgesamt das Arbeitsklima in der Gruppe. Ich hatte den Eindruck, dass die Beziehungen zwischen den Vertretern der drei christlichen Kirchen lange gewachsen sind und der Austausch in sehr offenem und respektvollem Maße erfolgte. M.E. wurde kein Thema ausgespart, wenn man auch deutliche Unterschiede wahrnehmen konnte. Die Kunst, einander mit Interesse zuzuhören, schien mir zumindest in dieser Gruppe hoch ausgeprägt. Von der Struktur her fand ich es sehr gut, dass wir nur zwei stichhaltige Impulsreferate hatten, die die inhaltliche Diskussion angestoßen haben. So war ausreichend Zeit für das Gespräch vorhanden, in dem Artjom, mein russischer Kollege, und ich definitiv gleichberechtigte Redezeit bekamen. Uns wurde von allen Seiten vermittelt, dass man an unserer Meinung interessiert ist und ihr auch Raum geben will. Die Herausforderung der Informationsgesellschaft als Dachthema hat die Einbindung auch besonders leicht gemacht, da wir als `digital natives` so oder so gesuchte Ansprechpartner waren. Sehr gut fand ich auch, dass unsere Arbeitsgruppe sich schon im Vorfeld, wie auch bei den früheren Dialogen, darauf geeinigt hat, das Thema noch einmal in einer weiteren Konferenz, die unabhängig zu organisieren ist, zu vertiefen. Ich hoffe, auch dazu eingeladen zu werden. 

Aber nicht nur in den individuellen Arbeitsgruppen, sondern auch im Gesamtdialog, hatte ich stets das Gefühl, dass die jüngeren Delegierten gesuchte Gesprächspartner waren, die sich aber auch in Eigeninitiative aktiv in die öffentliche Diskussion einbrachten. Ich persönlich habe viele hochspannende Gespräche geführt, sowohl mit russischen als auch deutschen Delegierten und freue mich sehr über die Möglichkeit, Zugang zu diesem Forum zu haben. Die Abschlussveranstaltung des Jugendparlaments zu besuchen, war eine weitere gute Möglichkeit. Danach habe ich die Zeit genutzt, mich noch in Moskau unabhängig mit weiteren Kirchenvertretern zu treffen, ebenso wie ein Wiedersehen mit Teilnehmern der Konferenz `Deutschland – Russland – Die neue Generation` zu initiieren. Da ich im nächsten Jahr auch in das Organisationskomitee dieser Konferenz eingebunden bin, liegt mir die aktive Pflege deutsch-russischer Freundschaften besonders am Herzen. Es ist ein schönes Gefühl, mittlerweile in ganz Russland nicht mehr Tourist zu sein, sondern gute Freunde zu haben. Christoph von Oldenburg und ich werden auch aktiv versuchen, die Teilnehmer des jetzigen Petersburger Dialogs in die `Neue Generation`einzubinden und insgesamt den Anteil an Teilnehmern aus den Regionen zu steigern. Ich habe diesbezüglich schon unsere russischen Kollegen angesprochen, die gerne in ihren Regionen als Multiplikatoren dafür tätig sein werden. 

Ich denke, dass die verschiedenen Plattformen, wie der Petersburger Dialog, das Jugendparlament und die `Neue Generation` keine konkurrierenden Veranstaltungen sind, sondern in Kooperation jungen Menschen beider Seiten Mut und Lust machen, die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern konstruktiv zu gestalten. Dass ich zu zweien dieser Plattformen nun Zugang habe, freut mich sehr. Aus dem Gespräch mit vielen Teilnehmern des Petersburger Dialogs und auch unserer Arbeitsgruppe, habe ich den Eindruck, dass diese aktive Einbindung jüngerer Perspektiven extrem wichtig ist. Ich hoffe, auch von meiner etwaigen Möglichkeit, weiterhin am Petersburger Dialog teilnehmen zu können, abgesehen, dass dies in den nächsten Jahren nicht nur beibehalten, sondern intensiviert wird. Ich denke, dass ein solcher Prozess stets Zeit braucht und würde mich freuen, daran mitzuwirken. Natürlich wäre es besonders schön, nicht nur an der Nachfolgetagung meiner Arbeitsgruppe, sondern auch an zukünftigen Dialogen teilzunehmen. Ich kann aber auch verstehen, wenn man unterschiedlichen jungen Delegierten diese Möglichkeit eröffnen will. In jedem Sinne war die Teilnahme am diesjährigen Dialog für mich persönlich ein großer Gewinn, für den ich dankbar bin. Ich würde mich freuen, wenn wir in diesem Rahmen, aber auch in der Arbeit der `Neuen Generation`weiter im Kontakt stünden."