Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch 2004 bis 2007

Teilnehmer des 1. dt.-russ. Jugendparlamentes 2006
Foto: Oliver Killig
Die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch fördert Begegnungen deutscher und russischer Jugendlicher und steht allen am deutsch-russischen Schüler- und Jugendaustausch Interessierten als Ansprechpartner, Berater und Förderer zur Seite. Die wichtige Zielsetzung der Stiftung, wieder mehr Interesse bei jungen Deutschen für Russland und die russische Sprache zu wecken, konnte bereits mehrfach in Form von unterschiedlichen Veranstaltungen werden. So fand das des Deutsch-Russische Jugendparlament bis zum Jahr 2007 bereits drei Mal statt. Den Abschlussbericht zum 3. Deutsch-Russischen Jugendparlament, das parallel zum 7. Petersburger Dialog in Wiesbaden tagte, finden Sie hier.
Weitere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite der Stiftung http://www.stiftung-drja.de.


Interview zu den Anfängen des deutsch-russischen Jugendaustausches

Martin HoffmannIm folgenden Interview erklärt Martin Hoffmann wie die Idee dieses Jugendaustausches entstanden ist und welche konkreten Vorhaben bereits geplant sind. Martin Hoffmann ist Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums und Vorstandsmitglied des „Petersburger Dialogs“.


Frage: Wie ist die Idee zu einem „deutsch-russischen Jugendaustausch“ entstanden?

Hoffmann: Die entstand, weil der Jugendaustausch in Qualität und Quantität- bislang immer noch durch ein Abkommen von 1989 geregelt – in keiner Weise den guten deutsch-russischen Beziehungen entspricht. Mehr als das, musste ich in meiner Arbeit beim Deutsch-Russischen Forum erkennen, dass in Deutschland das Interesse für Russland wegbricht. Das gilt für die Schulen aber auch für die Universitäten, wo slawistische Fakultäten geschlossen wurden. Das ist eine alarmierende Situation, die keinesfalls dadurch gestoppt worden ist, dass sich die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen verbessern. Im Gegenteil – die Tendenz ist weiter rückläufig, während Spanien als weniger potentes Land ein riesiges Interesse wach rufen konnte. Ein weiteres wichtiges Argument für den Austausch ist, dass unser Russland-Bild kaum von der Realität bestimmt wird. Es werden immer wieder punktuelle Ereignisse thematisiert, die ein falsches Gesamtbild erzeugen. Russland besteht eben aus vielen positiven und negativen Faktoren. Zu den positiven zählt eindeutig die russische Jugend. Wir müssen die Menschen zusammen bringen, die fruchtbar einen deutsch-russischen Austausch voranbringen und das sind die jungen Menschen, also Schüler und Studenten. Den Jugendaustausch zu erneuern ist eine historische Aufgabe für Deutschland und Russland.

Frage: Was wird sich durch das Austauschprogramm für deutsche und russische Schüler bzw. Jugendliche verbessern?

Hoffmann: Ganz konkret heißt das, dass eine neue Jugendstiftung nicht in Administration investiert, sondern in Begegnungen. Wir möchten, das Russen und Deutsche zusammentreffen bei einer größtmöglichen Interessenvielfalt. Jeder, der eine spannende Idee hat, die Kommunikation zwischen Menschen anzuregen, der wird beim deutsch-russischen Jugendaustausch gefördert. Dabei soll es keine Grenzen und keine Schranken an den Grenzen der Länder geben. Es muss für Schüler und Studenten beider Länder die Möglichkeit geben, das andere Land kennen zu lernen, um Projekte zu fördern, junge Menschen zusammen zu bringen und Dienstleistungen anzubieten, etwa im Bereich der Beratung und des Managements.

Frage: Welche konkreten Vorhaben sind schon geplant?

Hoffmann: Wir haben natürlich im Vorfeld im Deutsch-Russischen Forum schon viele Ideen gesammelt. Möglich soll es künftig sein, Schulpartnerschaften zu unterstützen so dass Russland für deutsche Schüler attraktiver wird. Der Aufwand sollte nicht größer sein, als der einer Reise nach London oder Paris. Wichtig ist es ebenfalls möglichst vielen junge Russen das Kennen lernen Deutschlands und seiner jungen Menschen zu möglichen. Wobei man sagen muss, dass das Interesse an Deutschland umgekehrt deutlich größer ist, als das bei uns derzeit der Fall ist. Wir können uns auch vorstellen, einmal im Jahr einen deutsch-russischen Jugendtag zu veranstalten, bei dem Schüler, Jugendliche, Vereine und Teilnehmer an Städtepartnerschaften durch gemeinsame Projekte neue „junge“ Impulse für den deutsch-russischen Dialog setzen. Denkbar ist auch, dass der „Petersburger Dialog“ bereichert wird durch einen Dialog, bei dem junge Führungskräfte gemeinsam in Kontakt treten, wie das im Deutsch-Russisches Forum bereits seit über zehn Jahren erfolgreich geschieht. Die Ideen sind vielfältig, wichtig ist nun, die geeigneten Katalysatoren zu finden.

Frage: Wie soll der deutsch-russische Jugendaustausch finanziert werden?

Hoffmann: Die Vorstellung war, dass wir eine deutsch-russische Institution schaffen, die sich am bereits existierenden deutsch-polnischen Jugendaustausch orientiert. Die Zielvorstellung liegt bei ca. 3-4 Millionen Euro. Wichtig war uns auch, dass die private Förderer in hohem Maße an der Konzeption der neuen Einrichtung beteiligt. Gelungen konnte das nur, weil die Robert Bosch Stiftung als Bahnbrecher eingestiegen ist. Es war der Wunsch von allen, dass die neu zu gründende Institution sich bei den Zielen an den Vorbildern Frankreich und Polen orientiert, dass aber das Konzept gemeinsamer öffentlicher und privater Initiative ein Novum darstellt. Das heißt, wir Public Private Partnership soll keine Leerformel sein, sondern sich bis in die Leitungsgremien in allen Bereichen nachvollziehen lassen. Insbesondere die Bosch-Stiftung und der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft engagieren sich stark und sie werden dieses Projekt anschieben – etwa für drei bis fünf Jahre. Dann soll die Institution auf eigenen Beinen stehen und sich etwa als Stiftung selbst tragen, mit entsprechender Unterstützung des Bundes. Der Erfolg dieser Institution wird sich also daran messen lassen müssen, wie sie nach fünf Jahren da steht.

Frage: Was ist Ihre Vision, wenn Sie sich den deutsch-russischen Jugendaustausch in einigen Jahren vorstellen?

Hoffmann: Die Vision, die ich habe ist, dass wir ein attraktives, facettenreichen Russlandbild bei der Jugend erreichen. An die Stelle von Schwarz-Weiß-Denken, und Stereotypen soll die Wahrnehmung Russlands durch eigene Erfahrung entstehen. So würde Russland als Teil Europa täglich gelebte und erfahrene Realität. Ein Vision ist auch, dass die jungen Menschen die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des deutschen und russischen Lebensalltags nicht als fremdartig oder gar trennend begreifen, sondern als Bereichung empfinden. Es wird viel darüber geredet, dass Russland ein Teil Europas ist – in Russland und Deutschland. Aber wenn es um konkrete Projekte geht, dann gibt es nach wie vor viele Barrieren in den Köpfen. Konkrete Schritte in diese Richtung durch die neue Einrichtung sollen diese Visionen Realität werden lassen. So kann der Jugendaustausch in allen Bereichen die große Kraft für eine neue Qualität der deutsch-russischen Beziehungen werden.

Das Interview entstand im Dezember 2004