Peter-Boenisch-Gedächtnispreis

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Mit dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis zeichnet der Petersburger Dialog junge Journalisten aus, die durch eine sachgerechte und lebensnahe Darstellung des Lebensalltags im jeweils anderen Land zum besseren Verständnis zwischen Deutschen und Russen beitragen. In den ersten Jahren der Verleihung wurden in den drei Kategorien Print/Internet, Hörfunk und Fernsehen abwechselnd deutsche und russische Journalisten unter 35 Jahre mit dem Preis ausgezeichnet. Seit 2008 werden jedes Jahr jeweils ein Nachwuchsjournalist aus Russland und Deutschland mit der Auszeichnung gekürt.

Die Verleihung der mit 2.000 Euro dotierten Auszeichnung findet im Rahmen der Hauptveranstaltung des Petersburger Dialogs statt. Neben dem Preisgeld, das als Reisestipendium genutzt werden kann, erhalten die Preisträger eine Urkunde und die „Silberne Feder“, einen hochwertigen Füllfederhalter.

Der Preis wird im Gedenken an den 2005 verstorbenen großen Journalisten Peter Boenisch (1927-2005) verliehen, der sich als Gründungsvorsitzender des Petersburger Dialogs mit viel Engagement für die Verständigung zwischen Russen und Deutschen, besonders für die junge Generation, eingesetzt hatte.


Über Peter Boenisch

Peter Boenisch wurde am 4. Mai 1927 als Sohn einer russischen Mutter und eines deutschen Vaters in Berlin geboren. Seit 1959 war er im Axel-Springer-Verlag tätig und wurde 1961 Chefredakteur der Bild-Zeitung. Von 1965 bis 1979 leitete er zudem die Redaktion Bild am Sonntag. Von 1978 bis 1981 leitete Peter Boenisch die Chefredaktion der Welt.
Nach beratenden Tätigkeiten im Bundeswahlkampf 1976 und 1980 für den CDU-Politiker Helmut Kohl wurde Peter Boenisch 1983 von ihm zum Staatssekretär ernannt. Zudem war er bis 1985 Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und Regierungssprecher der Bundesregierung.

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Als Peter Boenisch Ende 2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder gebeten wurde, einen Gesprächskreis mit Russland nach dem Modell der deutsch-britischen Königswinter Konferenzen zu leiten, zögerte er mit seiner positiven Antwort keine Sekunde. Dabei war die Verbundenheit mit der russischen Kultur, vermittelt durch seine russische Mutter, nur ein Motiv.

In seinen Interviews betonte er immer wieder, dass das Mitgestalten der deutsch-russischen Beziehungen in einer Zeit des Aufbruches Russlands in Demokratie und Marktwirtschaft für ihn den Ausschlag gegeben habe.

Boenischs russischer Partner wurde der damalige Vorsitzende der Partei Einiges Russland, Boris Gryslow. Die Vorsitzenden und die Mitglieder des Lenkungsausschusses einigten sich schnell auf den Namen des Forums „Petersburger Dialog“ und begannen sofort mit der Arbeit. So fand der erste Petersburger Dialog bereits im April 2001 statt.

Peter Boenisch und Boris Gryslow gelang es schnell, den Petersburger Dialog zu dem Dialog beider Länder zu machen, in dem auch den Schirmherren der deutsche Bundeskanzler und der russische Präsident eine aktive und gestaltende Rolle zukam.

Nachdem Boris Gryslow zum russischen Innenminister ernannt wurde, folgte ihm im November 2001 Michail Gorbatschow als Vorsitzender des Russischen Lenkungsausschusses nach.

Der Stil von Peter Boenisch, der geprägt war von Hochachtung, Empathie und Verständnis, sorgte dafür, dass er in Michail Gorbatschow einen energischen Mitstreiter und einen guten Freund fand. Beide waren sich einig, dass zivilgesellschaftlicher Dialog kein Modewort werden dürfe, sondern zu konkreten Ergebnissen führen müsse, besonders für die kommende Generation, deren Förderung sich der Dialog zur zentralen Aufgabe machte.

In den Treffen in Weimar (2002), St. Petersburg (2003) und Hamburg (2004) wurden immer wieder neue Initiativen zum Jugendaustausch durch den Petersburger Dialog auf den Weg gebracht.

Auch wenn es auf dem Weg immer wieder Rückschritte gab, arbeitete Peter Boenisch unermüdlich an diesem historischen Projekt der Zusammenarbeit mit Russland. Er redete mit der Robert Bosch Stiftung, mit seinem Vorstandskollegen Dr. Klaus Mangold als Vorsitzendem des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft und suchte, wenn nötig, die Schirmherren des Petersburger Dialogs für das Projekt zu begeistern.

Die Krönung seiner Arbeit war dann der Dezember 2004, als Peter Boenisch der Unterzeichnung eines neuen Abkommens einer deutschen und russischen Zusammenarbeit im Schloss Gottorf beiwohnen konnte. Nirgends zeigte sich mehr, was Peter Boenisch darunter verstand, wenn er sagte „Wirkliche Völkerfreundschaft wird nicht von Regierungen befohlen, sondern von Menschen gelebt und erlebt“.

Peter Boenisch hat in den fünf Jahren, in denen er den Petersburger Dialog auf deutscher Seite im Lenkungsausschuss geführt hat, alles dafür getan, damit sein großes Ziel in Erfüllung gehen wird.

Gefragt, in welcher zeitlichen Perspektive er Erfolge für die Aufgaben des Dialogs erwarte, war seine Antwort stets dieselbe: Konkrete Ergebnisse werden wir sehr schnell erzielen, doch der Erfolg der Initiative gründet sich nicht in kurzfristigen Jubelveranstaltungen. Wir wollen, dass der Petersburger Dialog zu einer dauerhaften Verbindung zwischen deutschen und russischen Menschen wird, der Höhen und Tiefen der Beziehungen gleichsam meistert und „zumindest“ die nächsten hundert Jahre der Zusammenarbeit beider Länder intensiv mitgestaltet.

Peter Boenisch verstarb im Sommer 2005.