Russland muss seinen eigenen Weg gehen - Maxim Schewtschenko in Berlin

Provokant und polarisierend: Der bekannte russische Politologe und Fernsehjournalist Maxim Schewtschenko bezog in seinem Vortrag über „Die Eliten und die Krise in Russland – neue Regeln, neue Stereotype“ Stellung zur innenpolitischen Lage Russlands. Der Einladung des Petersburger Dialogs und des Deutsch-Russischen Forums waren am 2. Februar 2009 gut 180 Gäste und Medienvertreter in die Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund gefolgt.


Maxim Schewtschenko in Berlin
Foto: Reiner Zensen
Provokant und polarisierend: Der bekannte russische Politologe und Fernsehjournalist Maxim Schewtschenko bezog in seinem Vortrag über „Die Eliten und die Krise in Russland – neue Regeln, neue Stereotype“ Stellung zur innenpolitischen Lage Russlands. Der Einladung des Petersburger Dialogs und des Deutsch-Russischen Forums waren am 2. Februar 2009 gut 180 Gäste und Medienvertreter in die Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund gefolgt.

Kerngedanke seiner Ausführungen war die Veränderung im Selbstverständnis der Russen, die durch die jüngsten Ereignisse wie den Georgienkrieg und die Gaskrise ausgelöst wurden. Russland befinde sich auf einem Weg, der sich zwar manchmal nach Westen oder Osten schlängelt, letztendlich aber ein eigener russischer Weg sein müsse. Die Eliten und die Führung seines Landes stünden jetzt vor der Aufgabe, diesen russischen Weg zu erkennen und zu gehen. Eine Orientierung an „westlichen Werten“ sei keine Lösung für Russland. Eher wären eigene, genuin russische Wertvorstellungen von Bedeutung, die sich vom westlichen Liberalismus abgrenzen. Welche Wertvorstellungen er dabei konkret meinte, blieb offen. Das „blinde Kopieren der westlichen Welt“ gehöre aber zusehends der Vergangenheit an. Die Wahl Kirills zum Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche nannte er als aktuelles Beispiel: Der ehemalige Metropolit sei im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein politischer Kopf, mit einem eigenen, nicht westlich geprägten Weltbild.

Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise träfen Russland weniger hart als beispielsweise Amerika oder Europa. Etwa 67% der russischen Bevölkerung seien auf die eine oder andere Weise wirtschaftlich von staatlichem Geld abhängig und die Gesetzeslage würde den Staat und staatliche Unternehmen zur Zahlung von Gehältern verpflichten. Die Krise sei für Russland eine Chance zur Entwicklung. Auch sei man weniger von Europa abhängig, als gemeinhin angenommen.
Diskussion mit Maxim Schewtschenko
Foto: Reiner Zensen

Schewtschenko unterstrich jedoch die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Beziehungen, die eine tragende Säule für die Sicherheit und Zusammenarbeit nicht nur in Europa, sondern der Welt seien. Dabei betonte er den hohen Stellenwert, der Institutionen wie dem Petersburger Dialog und dem Deutsch-Russischen Forum zukommt.

Mit seinem Vortrag lieferte Schewtschenko Impulse für eine lebhafte und emotionale Diskussion. Der anschließende Empfang bot Gästen und dem Referenten die Gelegenheit, die unterschiedlichen Meinungen und Fragen in Gesprächen zu vertiefen.