Protokoll der AG Kultur
Unter Leitung von Prof. Dr. Michail Borisowitsch Piotrowskij und Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann hat sich die Arbeitsgruppe Kultur des 9. Petersburger Dialogs am 15. und 16. Juli 2009 in München schwerpunktmäßig mit der deutsch-russischen Filmkooperation befasst sowie über die Begleitung und Unterstützung der weiteren Aktivitäten im Bereich der Russischen Avantgardearchitektur im Kontext mit den Ideen um das Deutsche Bauhaus und des Deutsch-Russischen Ausstellungsprojekts zum Thema „Bronzezeit“ verständigt.
Präambel

Foto: Robert Geisler Die Vorsitzenden der AG Kultur nehmen Bezug auf die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen auf den kulturellen Bereich. Vor dem Hintergrund wird die Initiative zur Förderung der Zusammenarbeit und des Austausches auf der Fachebene der Wissenschaftler und Restauratoren vorgestellt. Auf deutscher Seite setzt sich vorallem die Kulturstiftung der Länder für die Schaffung der Voraussetzungen eines solchen Austauschprogrammes im Museumsbereich ein. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat im Jahr 2009 ein Stipendienprogramm aufgelegt, womit kurzfristig Studienaufenthalte ausländischer Nachwuchswissenschaftler und Kooperationsbeteiligter finanziert werden können. Insbesondere für die bereits laufenden deutsch-russischen Kooperationsprojekte sind diese Unterstützungen unerläßlich. Die russische Seite bemüht sich, vergleichbare Initiativen zu befördern. Für die Auswahl der Stipendiaten wird ein deutsch-russisches Komitée gegründet.
1. FILM
Anknüpfend an die Beschlüsse der AG Kultur im Rahmen des 7. und 8. Petersburger Dialogs in Wiesbaden (13. – 15.10.2007) und St. Petersburg (30.09. – 02.10.2008) bekräftigen die Teilnehmer ihr wechselseitiges Interesse am nationalen Filmschaffen des jeweiligen Dialogpartners.
• Nach wie vor erachtet die AG Kultur den Abschluss des bereits auf ministerieller Ebene ausverhandelten bilateralen Filmkoproduktionsabkommens zwischen beiden Staaten für dringend erforderlich. Die Unterzeichnung ist für die 2. Hälfte des Jahres 2009 zu erwarten.
• Im Rahmen des letzten Treffens der AG Kultur wurde die Gründung einer deutsch-russischen Filmakademie angeregt. Das FilmFestival Cottbus empfiehlt sich als Plattform für diese Akademie. Zur Institutionalisierung der Zusammenarbeit hat das FilmFestival für den 29. Juli 2009 in Berlin zur Gründung des „Vereins zur Förderung der Deutsch-Russischen Filmakademie“ aufgerufen. Dabei orientiert man sich an der bereits bestehenden und erfolgreich arbeitenden deutsch-französischen Filmakademie und zeigt sich offen für die Aufnahme und Eingliederung von weiteren, insbesondere auch russischen Mitgliedern in diesen Verein. Vorrangig wird es darum gehen, umfangreiche Informationen über die sehr unterschiedlichen Bedingungen der Filmproduktion und Filmfinanzierung sowie der Vermarktung beider Länder auszutauschen. Ziel ist die Schaffung von Strukturen und die Grundsteinlegung für künftige Filmprojekte und deren Vermarktung zwischen den beiden Ländern sowie der Ausbau des bestehenden Netzwerkes für Filmschaffende, insbesondere aus Russland und Deutschland.
• Das FilmFestival Cottbus wird seit 19 Jahren jährlich im November als FilmFestival für Mittel- und Osteuropa in Cottbus veranstaltet. Es zeigt in seinem Programm jeweils mehr als 100 Filme aus nahezu 30 Ländern. Bereits 2003 stellte das FilmFestival Cottbus das russische Kino in seinen Mittelpunkt und trug dem sprunghaft gestiegenen Niveau des russischen Filmmarktes verstärkt Rechnung. Inzwischen haben die russischen Filmschaffenden durch die Einrichtung eines „Russischen Tages“ einen festen Platz im Programm des Festivals erhalten.
• Das FilmFestival Cottbus wird im Rahmen der geplanten Vereinsgründung von verschiedenen Institutionen, wie der Filmförderungsanstalt, der Mitteldeutschen Medienförderung, der Hochschule für Film und Fernsehen in Brandenburg, dem medienboard Berlin-Brandenburg, L.E. Vision Film- und Fernsehproduktion Leipzig, German Films, Nipkow Programm Berlin, dem Auswärtigen Amt, der Länder Berlin und Brandenburg, den filmpolitischen Sprechern der Bundestagsparteien und vor allem auch der Stadt Cottbus engagiert unterstützt sowie von zahlreichen Sponsoren finanziell gefördert.
• Die in Gründung befindliche Deutsch-Russische Filmakademie plant zukünftig eine SummerMaster Class zu veranstalten, die sich dem Austausch und der Förderung von Filmstudenten aus beiden Ländern widmet.
Die Arbeitsgruppe Kultur des PD begrüßt und unterstützt die Ansiedelung dieser deutsch-russischen Filmakademie in Brandenburg ausdrücklich; damit wird ein erster Schritt zur Etablierung von erforderlichen Strukturen im Bereich der Filmproduktion und -vermarktung erreicht werden.
2. ARCHITEKTUR – Ausstellungsvorhaben „Avantgarde und Post-Avantgarde in Russland und Deutschland“ (Arbeitstitel)
Die AG Kultur des Petersburger Dialogs verfolgt weiterhin mit großem Interesse das Engagement der Pflege, Erhaltung und Erforschung des gebauten Erbes des frühen 20. Jahrhunderts auf der Fachebene des Denkmalschutzes in Russland und Deutschland.

Foto: Robert Geisler • Die Veranstaltungen zur Avantgarde-Architektur im Oktober 2008 im Rahmen des 8. Petersburger Dialogs hat eine nachhaltige gesellschaftliche Befassung mit diesem Thema bewirkt.
Beispielhaft ist die laufende erhaltende Revitalisierung der privatisierten Mendelsohn-Fabrik „Rote Fahne“ in St. Petersburg zu nennen. Das Architekturdenkmal soll insgesamt erhalten und gesichert werden und im Weiteren zu einem Kulturzentrum und -treffpunkt ausgebaut werden, welches Fernwirkungen für den Denkmalschutz über die Stadtgrenzen von St. Petersburg hinaus in Russland einnehmen wird. Das Bauensemble ist zu einem großartigen russisch-deutschen Kooperationsprojekt im Bereich des Denkmalschutzes geworden.
• Das Deutsche und das Russische Nationalkomitee von ICOMOS – unterstützt von dem Internationalen Wissenschaftlichen ICOMOS-Komitee für das 20. Jahrhundert – stehen in regem Kontakt mit den in Russland verantwortlichen Stellen. Insbesondere wird die Dokumentation und Nominierung von Denkmalen des 20. Jahrhunderts aus Russland in die UNESCO-Welterbeliste aktiv unterstützt.
• Im Rahmen des Gemeinsamen Ausschusses Moskau-Berlin wurde der Denkmaldialog Berlin-Moskau 2007/2008 zum „Erbe der Avantgarde und der Moderne“ publiziert (Frühjahr 2009).
• Die Kolloquien „Welterbe weiterbauen“ (2007/2008) und die „Aktionswoche Avantgarde“ (2008) werden als Veröffentlichung des Petersburger Dialogs von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Landesdenkmalamt Berlin als Buchveröffentlichung publiziert werden.
• Die während der „Aktionswoche Avantgarde“ zur 8. Sitzung des Petersburger Dialogs 2008 angeregte (Wander-)Ausstellung über deutsch-russische Wechselwirkungen der Moderne/Avantgarde und Post-Moderne/Post-Avantgarde im 20. Jahrhundert in beiden Ländern wird derzeit auf deutscher Seite durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Berlin unter Einbeziehung der Bauhaus-Stiftung Dessau, des Bauhaus-Archivs Berlin und der Architektursammlung der Technischen Universität Berlin und auf russischer Seite von dem Schussev-Museum Moskau und anderen Einrichtungen aus Moskau und St. Petersburg konzipiert. Die Ausstellung ist noch nicht finanziert.
Die AG Kultur des Petersburger Dialogs begrüßt dieses Engagement der Fachseite sehr und unterstützt die Initiative weiterhin, insbesondere auch um das Ausstellungsvorhaben in beiden Ländern auf politischer Ebene zu präsentieren und die notwendige Unterstützung zu erreichen.
3. Deutsch-Russisches Ausstellungsprojekt „Bronzezeit“ (Zeitfenster 2012/2013)
Dieses Projekt schließt an die erfolgreiche und international beachtete Präsentation „Merowingerzeit –Europa ohne Grenzen“ an. Dieses Ausstellungsformat hat sich – auch aus Sicht beider Regierungen – bewährt und insbesondere für die Behandlung der kriegsbedingt verlagerten Kunst- und Kulturgüter auf der Fachebene eine vertrauensvolle Basis für nachhaltige Zusammenarbeit geschaffen.
• Die Ausstellung „Bronzezeit“ wird einen kulturgeschichtlichen Impetus haben.
• Die Eremitage wie das Historische Museum Moskau und das Puschkin-Museum werden die Bronzezeit mit eigenen herausragenden Funden darstellen. Von deutscher Seite ist das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz der bewährte Kooperationspartner.
• Neben den eigenen Sammlungsbeständen aller Einrichtungen werden auch die seit 1945 in Russland verwahrten Altbestände des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte einbezogen. Erstmals wird im Gesamtkontext, auch der neueren Forschungen und Funde aller Kooperationspartner, diese hochinteressante Epoche gemeinsam wissenschaftlich bearbeitet und präsentiert werden.
• Für die notwendige gemeinsame Bearbeitung der kriegsbedingt verlagerten Bestände durch die Experten aller Kooperationsteilnehmer steht auch das jüngst eingerichtete Stipendiatenprogramm der Stiftung Preußischer Kultur-besitz für russische Wissenschaftler zur Verfügung.
• Die in Vorbereitung befindliche Kooperationsvereinbarung für diese Ausstellung bedarf auf beiden Seiten noch der Abstimmung mit den zuständigen Ministerien. Auf der Fachebene laufen die Vorarbeiten bereits.
Die AG Kultur begrüßt die laufenden Vorbereitungen für das gemeinsame deutsch-russische Ausstellungsvorhaben „Bronzezeit“ und sichert seine weitere Unterstützung zu.
4. Themen für die nächste AG Kultur:
Für den nächsten Petersburger Dialog wird die AG Kultur folgende Themen auf die Tagesordnung nehmen:
„Umwidmung von Industriebauten für kulturelle Zwecke“
„Humboldt-Forum auf dem Berliner Schlossplatz“
„Behandlung von Architektur- und Geschichtsdenkmalen der 1930er bis 1950er Jahre“
„Ökologie und Ökonomie von historisch gewachsenen Städten“ als Konferenzthema für zwei Konferenzen in Russland (Nowgorod) und Deutschland (Ort: n.n.)
Anlage zum Protokoll:
Papier zum Deutsch-Russischen Filmabkommen vom Simone Baumann und Kirsten Niehuus vom 15.07.2009
| Anhang | Größe |
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| Anlage_Film.pdf | 12.75 KB |