Protokoll AG Zukunftswerkstatt

„Deutschland und Russland auf der Baustelle Europa“

1. Thema: „Gemeinsame Werte oder gemeinsame Ressourcen?“

Die Diskussionen der Arbeitsgruppe verliefen, insbesondere zum ersten Thema, äußerst kontrovers und emotional. Sowohl russische als auch deutsche Teilnehmer haben sehr offen ihre Positionen dargelegt.
Zwar lautete der Titel des ersten Panels „Gemeinsame Werte oder gemeinsame Ressourcen“, doch insbesondere die russischen Teilnehmer stellten immer wieder fest, dass die beiden Probleme in einem Zug zu diskutieren nicht sehr konstruktiv sei.
AG Zukunftswerkstatt
Foto: Thomas Augsten
Die Teilnehmer stellten fest, dass die Basiswerte in Russland und Deutschland dieselben seien. Diese sind in den grundlegenden Rechtsdokumenten sowohl der Europäischen Union als auch der Russischen Föderation festgeschrieben.
Gleichzeitig kamen die Teilnehmer überein, dass angesichts unterschiedlicher kultureller und historischer Traditionen in Russland und Deutschland die Ausprägung, Interpretation und Verankerung dieser Werte voneinander zum Teil erheblich abweiche.
Beide Seiten waren sich einig, dass ein Aufzwingen der eigenen Werte gegenüber der anderen Seite nicht zweckmäßig sei und im gegenseitigen Missverständnis münden könne. Die Teilnehmer unterstrichen wie wichtig für die gegenseitige Verständigung die Akzeptanz der unterschiedlichen Rangfolge und der Interpretation der Werte sei. Dabei stellten sie fest, dass Werte nicht losgelöst von der Realität existieren: Traditionen, historisches Erbe und kulturelle Besonderheiten bestimmen den Grad der Realisierung im politischen und gesellschaftlichen Leben.
Die russischen Teilnehmer waren der Ansicht, dass unter dem Deckmantel der Wertediskussion oft konkrete politische und wirtschaftliche Interessen von westlicher Seite vorangetrieben würden. Deutsche Teilnehmer waren mit dieser Aussage nicht einverstanden und unterstrichen, dass der Gegenstand des “Wertedialogs” vielmehr einem Diskurs, über konkrete, politisch und gesellschaftlich relevante Fragestellungen und die Anwendung der so genannten Werte in der Praxis entspräche.
Die Teilnehmer stellten zum Abschluss der Diskussion fest, dass man mit Leerformeln und Redewendungen, die keinen praktischen Nutzen für die gemeinsame Zukunft haben, stecken bleiben würde und weniger dieses Thema als ideologische Waffe ausnutzen sollte. Vielmehr sollte die Werte- und Identitätsdiskussion sowohl in Russland als auch in Deutschland eine breitere Basis gewinnen und offen geführt werden, wobei die beiden Länder als gleichberechtigte Partner gelten sollten.

2. Ausblick auf das Jahr 2008

Vor dem nächsten Petersburger Dialog beabsichtigt die AG „Zukunftswerkstatt“ mindestens drei Mal zusammenzukommen. Folgende Themen wurden von Teilnehmern beider Seiten als für beide Seiten gleichmäßig relevant und interessant eingeschätzt: Soziale Reformen in Russland und sozialer Umbau in Deutschland, Deutschland und Russland auf dem Weg in die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Darüber hinaus sollen politische Konsequenzen für Russland und Deutschland aus den Präsidentschaftswahlen in Russland und den Präsidentschaftswahlen in den USA diskutiert werden.