Die Arbeitsgruppe Medien hatte sich beim 8. Petersburger Dialog 2008 zum Schwerpunkt das Thema Internet genommen. In ausführlichen Darstellungen wurde gezeigt, wie sich in beiden Ländern das Internet als neuer öffentlicher Ort für den Informationsaustausch etabliert hat und damit auch neue Möglichkeiten der Kommunikation geschaffen werden. Mit der zunehmenden Nutzung des Internets gehen auch unterschiedliche inhaltliche Interessenschwerpunkte einher. Bei jüngeren Zielgruppen lässt sich ein abnehmendes Interesse an wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und politischen Themen feststellen, was auch zu einem Bedeutungsverlust dieser Themen in der Gesellschaft insgesamt führen wird. Wie andere Medien auch bedarf das Internet der ständigen Investition, um die Qualität der Angebote aufrecht zu erhalten. Das Internet ist eine zielgruppengerichtete Veranstaltung und ermöglicht vielfältige radikal- und basisdemokratische Teilhabe an allen Aspekten der gesellschaftspolitischen Diskussion, und dies – im Gegensatz zu den meisten Printmedien – weltweit.
Dies bedeutet auch neue Herausforderungen an den Journalismus. Der Zugriff auf die journalistischen Internetprodukte ist weltweit, das Internet gilt als Medium mit kurzer Reaktionszeit. Hier besteht die Gefahr eines Qualitätsverlustes im Vergleich zu den Printmedien, der durch journalistische Ausbildung, aber auch durch entsprechende Arbeitsbedingungen in den Online-Redaktionen entgegengewirkt werden muss. In diesem Zusammenhang ist es auch notwendig, die vielfältigen Meinungsäußerungen im Internet so zu gestalten und zu redigieren, dass sie als relevantes Informationsangebot gelten können. Die schnellen Dialoge, die sich im Internet im Bereich von Informationsangeboten abspielen, lassen häufig Verantwortlichkeit vermissen.
Es besteht Übereinstimmung darin, dass man auch in der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe Medien im Petersburger Dialog führende Online-Medien mit an den Tisch setzen soll.
Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeit dieser Arbeitsgruppe war der Georgienkonflikt und seine mediale Widergabe. Die russischen Kollegen empfanden die deutsche Berichterstattung als gelegentlich einseitig und oberflächlich, die deutsche Seite berichtete über die Schwierigkeiten, vor Ort zu recherchieren und an relevante Informationen vor Ort, aber auch in Moskau, zu kommen. Dies habe sich auch negativ auf die Faktenlage als Grundlage einer Berichterstattung ausgewirkt.
Von deutscher Seite wurde das Ergebnis der großen Zwei-Länder-Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach und des Levada-Instituts in Moskau vorgelegt, die das Russlandbild in Deutschland und das Deutschlandbild in Russland nachzeichnet. Die Folien stießen auf hohes Interesse und werden in die weitere Kommunikation in den Beziehungen zwischen der deutschen und russischen Seite im Petersburger Dialog eingehen.
3. Februar 2009
Michael Rutz
