„Mediensichten aus Europa – Mediensichten auf Europa“
Die Diskussionen in der Arbeitsgruppe Medien, die von den Koordinatoren Dimitri Mesenzew und Michael Rutz geleitet wird, sind von jeher intensiv, manchmal heftig und erfüllen den Begriff des Dialogs mit lebhaftem Inhalt. Beispielsweise diskutierten die Teilnehmer die Frage, ob und inwieweit Journalisten für die Erzeugung eines positiven Bildes vom jeweils anderen Land zuständig seien oder ob hier nicht Ursache und Wirkung verwechselt werden. Hier kam es zu einem klaren Austausch der teilweise 
Foto: Thomas Augsten unterschiedlichen Vorstellungen vom beruflichen Auftrag und Ethos eines freien Journalismus. Auf der einen Seite stand die Auffassung, ein professioneller Journalist müsse zu allen seinen Berichtsgegenständen kritische Distanz wahren und dürfe sich nicht dem Verdacht irgendeiner Propaganda aussetzen. Das war am Tisch mehrheitsfähig. Aber es kursierte auch die Vorstellung, Journalisten hätten sich eher konstruktiv zum Staatsganzen zu verhalten, und es müsse Möglichkeiten der Einwirkung auf sie geben, als verzerrt empfundene Bilder zu korrigieren. Gemeinsam war der Wunsch, dass sich solche Debatten im Rahmen des Petersburger Dialogs künftig erübrigen. Dann wurde die Frage analysiert, wie weit in den Beziehungen zwischen Deutschland und Russland der gemeinsame europäische Rahmen trägt und wo seine Grenzen sind. Grundlage waren zwei sehr interessante Referate von Herrn Professor Tschubarjan und Herrn Professor Kronzucker, die Geschichte und Gegenwart dieser Europaidee dargestellt haben.
Im Verlauf des vergangenen Jahres hat die Arbeitsgruppe Medien wichtige Initiativen auf den Weg gebracht oder befördert. Fortgesetzt wurden die Informationsreisen für Journalisten ins jeweils andere Land, Anschauung ist die beste Möglichkeit der Urteilsbildung. Das gilt auch für die verschiedenen Austauschprogramme mit jungen Journalisten, die sehr erfolgreich fortgeführt wurden. Wir bitten hier erneut um stets rasche und kostenfreie Visaerteilung.
Mit Freude sehen wir, dass der im letzten Jahr an dieser Stelle empfohlene gemeinsame Master-Studiengang für Journalismus und Kommunikation zwischen der LomonossowUniversität und der Freien Universität Berlin nun fest vereinbart ist. 2008 soll Studienbeginn sein, wir hoffen, dass Akkreditierung und Finanzierung des Studiengangs auch auf russischer Seite rechtzeitig gesichert werden. Fortsetzen werden wir auch die Filmprojekte über interessante Themen aus dem jeweils anderen Land, so konnte kürzlich der Film über die sehr dynamische Wissenschaftsstadt Obninsk fertig gestellt werden.
Die Arbeitsgruppe wird im kommenden Jahr in Russland auf Einladung von Dmitri Mesenzew ein gemeinsames Informationsseminar russischer und deutscher Kollegen durchführen, um "Russland nach den Wahlen" unter verschiedenen thematischen Aspekten zu betrachten.
In Deutschland sehen, wir mit Interesse den nächsten Potsdamer Begegnungen des Deutsch Russischen Forums entgegen, das sich mit dem Russlandbild der Deutschen und dem Deutschlandbild in Russland befassen wird.
Schließlich soll der Versuch unternommen werden, zu Themen von gemeinsamer Bedeutung etwa dem demografischen Wandel - journalistische Kooperationsprojekte zwischen Medien beider Länder zu vereinbaren.