Abschlussbericht zum 10. Petersburger Dialog 2010

Die Arbeitsgruppen beim 10. Petersburger Dialog im Einzelnen
Die Arbeitsgruppe Politik befasste sich in Jekaterinburg Arbeitsgruppe Politik. V.l.: Paulus, Terechow; Fotograf: Wolfgang Korallunter Leitung von Jens Paulus und Prof. Dr. Waldislaw Terechow unter dem Thema „65 Jahre danach. Neues Europa, neues Russland, neues Deutschland. Europäische Sicherheitsarchitektur aus Sicht der Deutschen und Russen“mit sicherheitspolitischen Fragestellungen und speziell mit der russisch-deutschen sicherheitspolitischen Zusammenarbeit im gesamteuropäischen Rahmen. Darüber hinaus wurden die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die daraus resultierende Notwendigkeit der Regulierung der internationalen Finanzmärkte erörtert. Die Diskussion verlief in einer offenen, konstruktiven und vertrauensvollen Atmosphäre.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Mangold und Waleri Golubjew beschäftigte sich die Arbeitsgruppe Wirtschaft mit dem Thema „Modernisierung – Privatisierung – Mittelstand. Wege in die Zukunft“. Auf Grund der Zusammenarbeit im Energiebereich verfügen Russland und Deutschland über alle notwendigen Ressourcen für eine erfolgreiche Modernisierung und unterstützen die Gestaltung einer einheitlichen rechtlichen Basis der internationalen Zusammenarbeit. Die Teilnehmer empfehlen, die Ausarbeitung einer „Konzeption des Weltenergiekodex“ fortzusetzen.

Arbeitsgruppe Zivilgesellschaft. V.l.: von Studnitz, Pamfilowa; Fotograf: Wolfgang KorallDie Schaffung eines deutsch-russischen Sozialforums wird von der Arbeitsgruppe Zivilgesellschaft angeregt, die von Dr. Ernst-Jörg von Studnitz und Ella Pamfilowa geleitet wurde. Den zahlreichen NGOs im sozialen Bereich könnte dadurch zu mehr Gewicht gegenüber staatlichen Organisationen verholfen werden. Das Programm „Treffpunkt Dialog“ für Opfer des Nationalsozialismus der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ wurde als besonders beispielhaft bewertet. In der Frage der gegenseitigen Visaregelungen wurde angeregt, in einem ersten Schritt die gewährten Ausnahmen auf freiwillig Dienstleistende auszudehnen. Seminare zum Thema Geschichtsbild und zur Arbeit von NGOs sollen in nächster Zukunft umgesetzt werden.

Die Arbeitsgruppe Bildung und Wissenschaft befasste sich unter der Leitung von Prof. Dr. Wilfried Bergmann und Prof. Dr. Igor Gorlinski schwerpunktmäßig mit den Feldern Logistik und Gesundheitswesen im Rahmen der Modernisierungspartnerschaft. Ein erster Studiengang am Zentrum für Logistik der Universitäten St. Petersburg und Wiesbaden (ebs) wird im Herbst 2010 starten. Weitere Pilotprojekte im Logistikbereich sind „Infrastrukturentwicklung für Metropolregionen“ und „Magnetschwebebahn Berlin-Moskau“. Ein sichtbarer Erfolg der Arbeit des Petersburger Dialogs im Bereich Gesundheitsvorsorge wird die Inbetriebnahme der Föderalen Leukämie-Kinderklinik in Moskau im Juni 2011 sein.

Arbeitsgruppe Kultur beim 10. Petersburger Dialog; Fotograf: Wolfgang KorallDie Arbeitsgruppe Kultur unter Leitung von Prof. Dr. Hermann Parzinger und Prof. Dr. Michail Piotrowski unterstrich die Bedeutung einer raschen Unterzeichnung des bereits verhandelten Filmkoproduktionsabkommens. Eine aktuelle deutsch-russische Koproduktion wird in der nächsten Sitzung auf der Tagesordnung stehen. Konkrete Projekte der Arbeitsgruppe sind außerdem die Ausstellungen „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ und „Russen und Deutsche: 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur“ sowie zwei neue Ausstellungsprojekte: „Dresden in der Eremitage“ und „Deutscher Wald – Zeitgenössische Kunst“. In Jekaterinburg stellte die Arbeitsgruppe Kultur zwei Publikationen vor, die als Ergebnisse aus den Projekten „Avantgarde Architektur“ und „Welterbe weiterbauen“ hervorgegangen sind.

Die Arbeitsgruppe Medien wurde in Jekaterinburg von Jost Springensguth (in Vertretung des erkrankten Prof. Michael Rutz) und Michail Berger geleitet. Die Teilnehmer äußerten Sorgen über den Erhalt des Qualitätsjournalismus vor dem Hintergrund der durch die digitale Entwicklung veränderten Medienlandschaften. Geplant sind Vorschläge für Stiftungsmodelle, die staatlich unabhängige und zugleich wirtschaftlich sichere Grundlagen für journalistische Geschäftsmodelle anregen. Journalistische Studiengänge, darunter die von der Arbeitsgruppe angeregten Pilotprojekte, sollen weiter gefördert werden.

Gemeinsame Werte, Verständnis füreinander und für die Vergangenheit sind laut der von Alexander Rahr und Natalja Tscherkessowa geleiteten Arbeitsgruppe Zukunftswerkstatt Voraussetzung für eine gleichberechtigte Modernisierungspartnerschaft. Verschiedene Projekte sind angedacht, darunter z.B. ein Festival deutscher und russischer Dokumentarfilme über den Zweiten Weltkrieg mit anschließender Diskussion im Vorfeld des 70. Jahrestages des Kriegsendes, oder die Durchführung einer deutsch-russischen Umfrage in beiden Ländern zu Fragen des alltäglichen Lebens, der wirtschaftlichen und sozialen Situation, der Zukunftssorgen und -erwartungen, um sich über die gemeinsamen oder unterschiedlichen Werte der jeweiligen Gesellschaft klar zu werden.

Arbeitsgruppe Kirchen in Europa beim 10. Petersburger Dialog; Fotograf: Wolfgang KorallMit den Wechselwirkungen zwischen der Modernisierung der Gesellschaft und der geistlich-moralischen Erziehung der jungen Generation befasste sich die Arbeitsgruppe Kirchen in Europa unter der Leitung von Dr. Johannes Oeldemann und Priestermönch Filipp Rjabych. Die Teilnehmer unterstützen den Religionsunterricht an russischen Schulen und verstehen diesen in einem ganzheitlichen Sinne als Teil des Bildungsauftrags. Während der zweijährigen Probephase des Religionsunterrichts will die Arbeitsgruppe Kirchen in Europa begleitend dazu gemeinsame Seminare durchführen.