2006/2007

Eine Initiative des Petersburger Dialogs
In Hamburg im Jahr 2004 erstmals als Projekt vorgestellt, wurde das Koch-Metschnikow-Forum auf dem 6. Petersburger Dialog in Dresden aus der Taufe gehoben: Im Beisein des russischen Präsidenten Wladimir Putin und der Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde am 10. Oktober 2006 eine Vereinbarung über die künftige deutsch-russische Zusammenarbeit in der Medizin unterzeichnet.

Die russische Seite wurde vertreten durch Professor Dr. Alexander Schabrow, Rektor der Sankt Petersburger Staatlichen Medizinischen Metschnikow-Akademie sowie Viktor Borisow, in Vertretung des krankheitshalber verhinderten Professors und stellvertretenden Vorsitzenden der Russischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften Wladimir Kulakow. Für die deutschen Partner saßen Professor Dr. Helmut Hahn, Vorsitzender der Berliner Medizinischen Gesellschaft und Professor an der Charité, sowie Professor Dr. Wilfried Bergmann, Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) am Tisch.

Das Koch-Metschnikow-Forum möchte einen Beitrag zur Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge leisten. Insbesondere in den Bereichen der Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Hepatitis B und C sowie AIDS, sowie auf dem Gebiet der Bluttransfusion sollen Projekte entwickelt und realisiert werden. Bereits vor seiner offiziellen Gründung in Dresden nahm das Koch-Metschnikow-Forum seine Arbeit auf.
Die in Dresden unterzeichnete Vereinbarung sieht unter anderem die Ausbildung und Schulung von Ärzten und Wissenschaftlern, den Austausch von Studenten und Doktoranden, die Zusammenarbeit mit Firmen aus der Arznei- und Medizinprodukteindustrie sowie die Durchführung von Pilotveranstaltungen und Koordinierungsmaßnahmen mit den russischen Kollegen vor.

Ausgesuchte Meldungen der Aktivitäten aus den Jahren 2006/2007 finden Sie unten auf dieser Seite oder auf der Internetseite des Koch-Metschnikow-Forums http://www.kmforum.eu/.


23.11.2007
Koch-Metschnikow-Forum schenkt Petersburger Akademie zum Jubiläum einen Kongress

Dem 100. Jahrestag der Gründung der St. Petersburger Staatlichen Medizinischen Metschnikow-Akademie war die 3. Konferenz des Koch-Metschnikow-Forums gewidmet, die gestern in der Newa-Metropole zu Ende ging.

Rund zweihundert Teilnehmer, darunter zahlreiche Ärzte und Wissenschaftler aus Deutschland, diskutierten zwei Tage lang „Aktuelle Trends in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten“.

Zur Eröffnung hatte der Vorsitzende des deutschen Lenkungsausschusses des Petersburger Dialogs, Lothar de Maizière, die Tagung als weitere Etappe bei der Verwirklichung der Ziele bezeichnet, die bei der Gründung des KMF auf dem Petersburger Dialog 2006 in Dresden gestellt worden waren. „Wir sind stolz auf das Koch-Metschnikow-Forum“, erklärte der ehemalige Ministerpräsident der DDR, „das in der noch kurzen Zeit seines Bestehens die Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Medizinern durch Erfahrungsaustausch wie auch gemeinsame Projekte spürbar belebt hat. Der Petersburger Dialog wird diese Arbeit auch weiterhin unterstützend begleiten.“

Der Vorsitzende des Koch-Metschnikow-Forums, Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Helmut Hahn, hob das Engagement des KMF im Kampf gegen sozial-bedrohliche Infektionskrankheiten, vor allem Tuberkulose, HIV/AIDS und Hepatitis, hervor: „Wir sehen unsere Aufgaben insbesondere darin, durch die Aus- und Weiterbildung von Studenten und jungen Wissenschaftlern aus Russland die Voraussetzungen für die Anwendung der fortgeschrittensten Technologien zur Infektionsbekämpfung zu schaffen und zugleich unser Wissen und unsere Erfahrungen in der wissenschaftlichen und klinischen Arbeit zu bündeln. Die auf der 2. KMF-Konferenz im September in Tomsk vereinbarten 26 gemeinsamen Projekte bestätigen die Richtigkeit unseres Weges.“

Dass die Konferenz zu Ehren des Akademie-Jubiläums in Sankt Petersburg stattfinde, sei Ausdruck der engen Kooperation des KMF mit der Metschnikow-Akademie, unterstrich Rektor Prof. Dr. med. Alexander Schabrow. „Wir danken dem Koch-Metschnikow-Forum in desem Zusammenhang ausdrücklich für die Unterstützung des Projektes einer Rehabilitations-Klinik auf dem Gelände unserer Einrichtung. Dieses Zentrum wird die Betreuung Schwerkranker, Behinderter, von Kindern und Sportlern in unserer Stadt deutlich verbessern.“ Ein Modell des 75-Millionen-Euro-Hauses, das vom Koch-Metschnikow-Forum erstmals auf dem diesjährigen Petersburger Dialog in Wiesbaden vorgestellt worden war, wird von nun an seinen Platz im Foyer der Metschnikow-Akademie in St. Petersburg haben. Mit seinen rund 300 Betten und internationaler Spitzentechnik wird das Zentrum in ganz Russland Maßstäbe setzen, ist sich Schabrow sicher.

Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Programms standen die Epidemiologie und Prophylaxe der sozial-bedrohlichen Infektions- erkrankungen, ebenso ihre Pathogenese und aktuelle Behandlungsmöglichkeiten. Ausdrücklich gewürdigt wurden die Forschungen von Ilja Metschnikow als ein wesentlicher Ausgangspunkt für die heutigen Erkenntnisse. Die besondere Aufmerksamkeit der Ärzte und Wissenschaftler, so wurde in mehreren Beträgen festgestellt, muss der Auseinandersetzung mit den zunehmenden Resistenzen von TB-Erregern gegen Medikamente gelten, wodurch eine erfolgreiche Behandlung erschwert wird. Tuberkulose und die anderen sozial-gefährlichen Infektionskrankheiten seien vor allem in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein akutes Problem, wurde während der Konferenz festgestellt, das mit internationaler Hilfe schnellstmöglich gelöst werden müsse, wenn ein massenhaftes Übergreifen auf andere Länder verhindert werden soll.

Das Koch-Metschnikow-Forum hilft bei der Koordinierung dieser Bemühungen, wie die TB-Konferenz der europäischen Gesundheitsminister in Berlin im vergangenen Monat zeigte, an deren Zustandekommen das KMF wesentlich beteiligt war.

„Der Abschied von St. Petersburg ist für die meisten Konferenzteilnehmer nur von kurzer Dauer“ sagte Prof. Helmut Hahn zum Abschluss der Tagung. „Im nächsten Herbst treffen wir uns wieder, wenn wir mit einer großen wissenschaftlichen Veranstaltung den 100. Jahrestag der Verleihung des Nobel-Preises an Ilja Metschnikow und Paul Ehrlich begehen.“

Quelle: http://russlandonline.ru/schlagzeilen/morenews.php?iditem=40885


23.10.07
Der Kampf gegen die Tuberkulose geht in eine neue Runde
Koch-Metschnikow-Forum schmiedet Allianz mit Becton Dickinson

Die Tuberkulose stellt in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion immer noch ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem dar. Das Koch-Metschnikow-Forum ist die deutsch-russische Organisation zur gemeinsamen Bekämpfung der Tuberkulose und ist in der Satzung des Petersburger Dialoges verankert. Die Aufnahme von BD (Becton Dickinson), einem führenden Unternehmen in der Tuberkulosediagnostik, in das Koch-Metschnikow-Forum eröffnet neue Möglichkeiten und Dimensionen im Kampf gegen TB. Ein besonderes Anliegen ist dabei der vermehrte Einsatz sogenannter Schnell- Tests. Dadurch werden die Behandlungserfolge optimiert. Sie ermöglichen durch eine genauere und schnellere Analyse der Resistenzen gegenüber herkömmlichen Antibiotika eine gezielte Behandlung.

Die Verbreitung der Tuberkulose in Russland und den GUS-Staaten ist trotz der heutigen medizinischen Möglichkeiten noch immer sehr bedrohlich. In Ländern wie Kasachstan, Moldawien und Kirgisistan kommen auf 100.000 Einwohner bis zu 174 Tuberkulose-Patienten. Das Koch-Metschnikow-Forum (KMF) fördert mit seinen wissenschaftlichen Kooperationsprojekten die systematische Bekämpfung von Infektionskrankheiten und etabliert zusammen mit seinen russischen Partnern Untersuchungs- und Analysestandards. Diese Aktivitäten werden nun in Kooperation mit Becton Dickinson ausgeweitet. Am 23. Oktober wird Becton Dickinson offiziell Mitglied des KMF. Dies geschieht in zeitlicher Nähe zum Ministerial Forum on Tuberculosis, das am 22. Oktober auf Einladung des WHO-Euro-Büros und des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin zusammentrat. In der Berlin Declaration haben Gesundheitsminister der 53 Länder der WHO-Euro-Region (zu der auch Russland und Zentralasien gehören) das Problem der Tuberkulose in der Region und die entscheidenden Schritte zu seiner Bekämpfung festgehalten.

Der Zeitpunkt des Beitritts ist gut gewählt, denn schließlich werden Becton Dickinson und das Koch-Metschnikow-Forum mit Projekten zur Verbesserung der Tuberkulosediagnostik in den Partnerländern Russland und in Zentralasien im Sinne der Berlin Declaration aktiv: In den Projekten wird ein schnelleres Diagnostikverfahren auf Basis von Flüssigkulturen zum Nachweis der Tuberkulose eingesetzt. Dieses Verfahren wurde jüngst von der WHO offiziell zur Diagnose der Tuberkulose empfohlen. Denn nur ein rechtzeitiges Erkennen der Infektion hilft, die Verbreitung der Tuberkulose einzudämmen.

Diese modernen Flüssigkulturen erlauben eine sichere Diagnose innerhalb weniger Tage. Herkömmliche Kulturtechniken wie der vor über 100 Jahren entwickelte und häufig noch angewandte Sputumausstrich, gestatten erst nach vielen Wochen eine Risikoabschätzung. Prof. Dr. Helmut Hahn von der Berliner Medizinischen Gesellschaft und Vorsitzender des Koch-Metschnikow-Forums unterstreicht den erheblichen Fortschritt: „Die moderne Diagnostik hat ihr Potenzial in zahlreichen Studien bewiesen. Die Kooperation des Koch-Metschnikow-Forums mit Becton Dickinson schafft eine starke Allianz für den Kampf gegen die Tuberkulose. Jetzt ist die Politik gefordert, diese Tests flächendeckend verfügbar zu machen und die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen.“

Das neue Verfahren mit Hilfe von Flüssigkulturen ist eine wirksame Waffe gegen die Weiterverbreitung der Tuberkulose. Dr. Timo Ulrichs, Leiter der Sektion Tuberkulose des Koch-Metschnikow-Forums, konstatiert: „Der neue Test erlaubt die schnelle Detektion von Resistenzen. Dadurch kann eine gezielte Therapie eingeleitet werden, die die Heilungschancen enorm verbessert. Resistenzen können zukünftig besser kontrolliert werden. Durch die effektive Behandlung der Tuberkulosepatienten wird die weitere Ausbreitung der Tuberkulose erheblich eingeschränkt. Insgesamt hilft die Verbesserung der Diagnostik, die Tuberkulose wirksam zu bekämpfen.“

Becton Dickinson unterstützt die Aktivitäten des Koch- Metschnikow-Forums intensiv. „Wir sind stolz, diese richtungweisenden Projekte zu unterstützen. Das Koch-Metschnikow-Forum verfügt über hochqualifizierte Fachkräfte und einzigartiges Spezialwissen. Becton Dickinson leistet logistische und wissenschaftliche Hilfe. Wir sehen es als unsere Aufgabe, in den betroffenen Ländern den Zugang zu notwendigen Therapien zu erleichtern und das Gesundheitswesen dort auszubauen“, so Matthias Borst, Geschäftsführer der BD Deutschland GmbH.

Der Geschäftsbereichsdirektor und Leiter der BD Global Health Initiative Europa, Detlef Siewert erklärt: „Die automatischen Tuberkulosetests bieten die Möglichkeit, Tuberkulose auch in Hochrisikoländern in einer bisher ungekannten Intensität zu bekämpfen. Sie ermöglichen den einfachen, zuverlässigen und schnelleren Nachweis der Mykobakterien. Musste man früher bis zu 3 Monate auf ein abschließendes Ergebnis warten, erhält man heute sichere Ergebnisse binnen 10 bis 14 Tagen.“

Quelle: http://www.news4press.com/1/MeldungDetail.asp?Mitteilungs_ID=296241


14.09.2007
Koch-Metschnikow-Forum und Universität Tomsk gemeinsam gegen Infektionskrankheiten

Die Unterzeichnung eines Vertrages über die Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Infektionskrankheiten an der Staatlichen Sibirischen Medizinischen Universität Tomsk war einer der Höhepunkte der 2. deutsch-russischen Konferenz des Koch-Metschnikow-Forums e.V. (KMF) in der westsibirischen Gebietshauptstadt.

„Dieses Zentrum soll dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Medizinern in ganz konkreter Form weiter zu entwickeln“, sagte Prof. Dr. med. Helmut Hahn, Vorsitzender des Koch-Metschnikow-Forums auf der Konferenz in Tomsk. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen“, erklärte Prof. Wjatscheslaw Nowitzki, Rektor der Medizinischen Universität, „und sind sicher, dass der Erfahrungsaustausch und vor allem gemeinsame Projekte für beide Seiten von außerordentlichem Nutzen sind.“

Drei Tage lang hatten die über 900 Teilnehmer an der vom Koch-Metschnikow-Forum – einer Initiative des Petersburger Dialogs – im Rahmen des „Jahres Sibiriens in Deutschland“ organisierten Konferenz wissenschaftliche und klinische Erkenntnisse, Erfahrungen und Probleme bei der Erforschung, Diagnostik und Behandlung sozial bedrohlicher Infektionserkrankungen, in erster Linie AIDS/HIV, Tuberkulose und Hepatitis, diskutiert. „Wir sehen es als einen großen Erfolg an, dass dieser Meinungsaustausch zu zahlreichen konkreten Absprachen über Kooperationsmöglichkeiten geführt hat“ unterstrich der Berliner Virologe Prof. Dr. med. Heinz Zeichhardt, stellvertretender Vorsitzender des Koch- Metschnikow-Forums.

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz waren Fragen der Gesundheitsfürsorge und des Krankenhausmanagements bei Infektionskrankheiten. „Das überaus große Interesse an unseren Rund-Tisch-Gesprächen zu diesen Themen hat den riesigen Informationsbedarf der russischen Kollegen gezeigt“, meinte KMF-Themenverantwortlicher Prof. Dr. Rolf Engelbrecht, München. „Eine besondere Rolle hat dabei die Nutzung von e-health gespielt, also der computergestützten Verwaltung und Koordination im Gesundheitswesen.“

Die enge Verbindung zwischen Ärzten, Wissenschaftlern, Wirtschaftsunternehmen und politischen Institutionen hat sich für Prof. Dr. Ludmila Ogorodowa, Vize-Rektorin der Tomsker medizinischen Universität und Chefin des Organisationskomitees, auf der Konferenz als unbedingte Voraussetzung im Kampf gegen die Infektionskrankheiten bestätigt: „Ich denke, den Teilnehmern ist klargeworden, dass wir dieses Miteinander brauchen. Wir können nur erfolgreich sein, wenn von vornherein klar ist, welche Aufgaben im Interesse der Patienten gelöst, welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen und wie die wirtschaftlichen Anforderungen erfüllt werden können.“

Zu den konkreten Vereinbarungen der Konferenz gehört auch die Bereitstellung von fünf Gast-Stipendien für Tomsker Studenten und Nachwuchsmedizinern an Einrichtungen in Deutschland durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Zum Abschluss der Veranstaltung lud Prof. Hahn die russischen Partner zur Teilnahme an der 3. KMF-Konferenz am 20./21. November nach St. Petersburg ein.

Hartmut Hübner / russland.RU – die Internet-Zeitung
Quelle: http://www.russland.ru/mainmore.php?tpl=Wissenschaft&iditem=1296

AnhangGröße
Bericht Rheinischer Merkur Nr. 45 200792.73 KB