11. Petersburger Dialog 2011 - Impressionen und Kurzbericht

de Maizière, Schnellecke, Gorbatschow, McAllister, Subkow, Winterkorn, Weil (v.l
Die Boenisch-Preisträger 2011 mit Nika und Nanja Boenisch
Unterzeichnung von Abkommen während des 11. Petersburger Dialogs
Abschlussplenum des 11. Petersburger Dialogs 2011
Eröffnung des 11. Petersburger Dialogs in der Autostadt
Festredner Michail Schwydkoi
Festredner Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio
Nika und Nanja Boenisch mit Michail Gorbatschowv
Wassershow "White Nights"; Fotograf: Sascha Radke
Arbeitsgruppentag in der AutoUni
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wolfsburg
Abschlussplenum in Hannover
Gemeinsame Andacht zur Eröffnung des 11. Petersburger Dialogs 2011
Teilnehmer des Jugendparlaments treffen auf Merkel und Medwedew

Vom 17.-19. Juli 2011 tagte der 11. Petersburger Dialog in Wolfsburg und Hannover - Eindrücke in Wort, Bild und Film.

Im Fokus des diesjährigen Petersburger Dialogs vom 17.-19. Juli 2011 stand das Verhältnis von Bürger, Gesellschaft und Staat im Modernisierungsprozess. Etwa 300 Teilnehmer aus allen gesellschaftlichen Bereichen Deutschlands und Russlands kamen zur erstmals in Niedersachsen stattfindenden Konferenz nach Wolfsburg und Hannover. Die positive Resonanz spiegelt wider, dass sich der Dialog in diesem Jahr dynamischer und diskussionsfreudiger denn je gestaltete. Als Neuerung wurden zusätzlich zu den acht Arbeitsgruppensitzungen interdisziplinäre Paneldiskussionen zu den Themen Migration, Ökologie, Sozialpartnerschaft und Persönliche Freiheit des Menschen durchgeführt. Die Gespräche in den Paneldiskussionen und Arbeitsgruppen waren nach Angaben aller Teilnehmer sehr intensiv. Die Ergebnisse wurden in einer öffentlichen Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew zum Abschluss des Petersburger Dialogs in Hannover diskutiert. Offen und kritisch wurden aus dem Teilnehmerkreis des Petersburger Dialogs und des Jugendparlaments dringend zu lösende Fragen des deutsch-russischen Bürgerdialogs angesprochen, darunter die Visaproblematik, die Nichtanerkennung von russischen akademischen Abschlüssen in Deutschland, die bürokratischen Hürden für russische NGOs sowie die finanzielle Förderung des Jugendaustauschs zwischen Russland und Deutschland. Bundeskanzlerin und Präsident stellten sich allen Fragen aufgeschlossen und auch selbstkritisch: Angela Merkel sah beispielsweise einen Großteil der Verantwortung in der Visafrage bei der Bundesregierung. Man werde gemeinsam entschlossen daran arbeiten, Visaerleichterungen zu ermöglichen. Dmitri Medwedew räumte ein, dass in Russland noch immer ein aus der Sowjetunion vererbtes Misstrauen gegenüber NGOs herrsche, dessen Überwindung Aufgabe der gesamten Gesellschaft sei.

Die im Rahmen des Petersburger Dialogs bereits geleistete Arbeit zum Thema „Verantwortung vor der Geschichte als zivilgesellschaftliche Aufgabe“ soll mit einem weiteren Seminar in Moskau fortgesetzt werden. In der Arbeitsgruppe Zivilgesellschaft erklärten die Stiftung EVZ, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Heinrich-Böll-Stiftung ihre Bereitschaft zur Unterstützung. Ein Durchbruch wurde im Bereich der Filmzusammenarbeit erzielt: Als großen Erfolg wertet die Arbeitsgruppe Kultur das „Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über die Zusammenarbeit im audiovisuellen Bereich“, das am 19. Juli bei den Regierungskonsultationen unterzeichnet wurde. Der deutsch-russische Film ist seit 2007 ein Schwerpunktthema der Arbeitsgruppe Kultur. Beschlossen wurde auch die aktive Durchführung von Projekten im Rahmen des Deutschlandjahrs in Russland und des Russlandjahrs in Deutschland 2012/13. Die unter der Schirmherrschaft der AG Kultur stehende Ausstellung „Russen und Deutsche. 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur“ wird als Auftaktveranstaltung des Deutschlandjahrs in Russland im Juni 2012 starten. Als Beitrag des Petersburger Dialogs wird ein spezielles Schulbegleitheft zur Ausstellung erarbeitet.

Eröffnet worden war die Tagung am 17. Juli in der AutoStadt Wolfsburg mit Grußworten des Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister, dem Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG Prof. Dr. Martin Winterkorn sowie den Vorsitzenden des Petersburger Dialogs, Dr. Wiktor Subkow und Dr. h.c. Lothar de Maizière.
Die Festredner Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Richter des Bundesverfassungsgerichts, und Michail Schwydkoi, Präsident der Stiftung „Russische Fernsehakademie“ und Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit, beleuchteten in ihren Festvorträgen das Dachthema aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln. Ein Bürger müsse die Freiheit zum Handeln haben, aber zugleich auch den Willen des Handelns, so Di Fabio. Schwydkoi ging auf das Verhältnis Freiheit und Sicherheit ein.
Der Peter-Boenisch-Gedächtnispreis 2011 wurde an die junge deutsche Journalistin Mareike Aden verliehen, auf russischer Seite teilen sich den ersten Preis Anastasija Roschkowa, mit 17 Jahren jüngste Teilnehmerin des Wettbewerbs, sowie die Zeitschrift "butterbrot", ein studentisches Gemeinschaftsprojekt von jungen Studierenden der Universitäten Hannover und Tomsk. Stellvertretend für alle Mitwirkenden an dem Journal nahm Ksenija Saljukowa den Preis entgegen, die derzeit in Hannover am 7. Deutsch-Russischen Jugendparlament mitwirkt. Im Rahmen des Peter-Boenisch-Gedächtnispreises, der sich an Nachwuchsjournalisten wendet, wurde erstmals ein Sonderpreis vergeben an einen erfahrenen russischen Journalisten: Wladimir Kondratjew. Es ist angedacht, den Sonderpreis auch in Zukunft zu vergeben, an erfahrenere Journalisten, die sich besonders um die deutsch-russischen Beziehungen und um die Verständigung und Freundschaft beider Völker verdient gemacht haben.

AnhangGröße
Programm 11. Petersburger Dialog 201186.99 KB
Festrede Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio.pdf157.08 KB
Festrede Michail Schwydkoi.pdf91.76 KB